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Antrittsrede Andrea Probst Stadtratspräsident 2006
Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, meine Damen und Herren
Ihr habt mich im Dezember 2005 als Stadtratspräsident gewählt. Ich danke euch noch einmal herzlich für das Vertrauen und die Unterstützung. Ich bin stolz euer Präsident zu sein!
Walter Baumann hat am Montag, 12. Dezember 2005 seine Schlussrede als Stadtratspräsident gehalten. Seither sind 76 Tage vergangen. Ich hatte also praktisch 2½ Monate Zeit, meine Antrittsrede zu schreiben.
Goethe hat einmal am Schluss eines langen Briefes geschrieben - ich zitiere „Entschuldige, dass der Brief so lang geworden ist, denn ich hatte keine Zeit“. Demzufolge müsste ich heute eine ultrakurze Antrittrede mit mega viel Inhalt halten. Eine grosse Hypothek, aber ich versuche es.
Das Thema meiner Antrittsrede ist; „Das Beste für Burgdorf“.
Die einen meinen tiefere Steuern wäre gut für Burgdorf, dann hat die Stadt zu wenig Einnahmen und kann nicht im Minergie-Standard bauen, sagen die anderen. Andere wiederum möchten eine Zufahrt zum Emmental mitten durch den „Schlosshoger“ und die einen möchten lieber keine neuen Strassen, sondern neue Mobilitätsformen. Und dritte wiederum möchten eine bessere Durchfahrt durch Burgdorf und denen wird gesagt, dass man zuerst eine Zufahrt brauche und man redet nicht vom Gleichen. Dann gibt es solche die wollen mehr Marketing für Burgdorf als die Anderen. Kultur fördern sei wichtig hört man, die Wirtschaft fördern sei wichtiger, hört man auch. Neuen Schulraum brauchen wir, wird gesagt, aber sofort tauchen Zweifler auf die bezweifeln dass es wirklich neuen Schulraum brauche. Und was ist mit dem Feinstaub, dem Ozon, das sollte man auf städtischer Ebene Massnahmen ergreifen, das nützt der Schweiz oder Weltweit gar nichts, kommt sofort als Gegenargument. Oder wir wollen Modellstadt sein das ist gut für Burgdorf, das kostet nur und nützt nichts ist das Gegenargument.
Ich bin überzeugt dass alle, die eine jener Aussagen in der Öffentlichkeit machen, das Beste für Burgdorf wollen. Aber erinnert wir uns im Zusammenhang mit nicht gelungenen Erziehungsversuchen, bei unseren Kindern an die Aussage „Aber ich wollte doch nur das Beste für mein Kind“. Damit will ich sagen, dass manchmal herausgefunden werden muss, was wirklich das Beste ist. Und das gibt zu tun.
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Nun wollen wir doch einmal anschauen, wie Burgdorf aussehen würde, wenn „das Beste für Burgdorf“ realisiert wäre.
Wir hätten tiefe Steuern und die Kaufkraft jedes einzelnen von uns wäre gross und wir treiben somit unsere Binnenwirtschaft an. Und wegen dem kämen viele neue gute Steuerzahler nach Burgdorf und die Stadt hätte die doppelten Steuereinnahmen. Mit diesem Geld kann die Stadt unter Anderem alle Neubauten im Minergie-Standard erstellen und die Altbauten in demselben Standard sanieren. Der Kanton würde eine Unterfahrung von Burgdorf bauen, sämtliche Schadstoffe würden im Tunnel abgesaugt gefiltert und exportiert. Für dieses Modellhafte verhalten würde unsere Stadt berühmt. In einem Hochglanzprospekt würden wir zeigen was wir alles Gute tun und was wir alles so haben. Kultur wäre ganz gross geschrieben und alle Besucher und Besucherinnen die unsere Kultur konsumieren, kommen in unsere schöne Oberstadt, schauen diese an oder fotografieren alles und kaufen kräftig in den vielen Spezialgeschäften ein. Die vielen Kinder die durch die Zunahme der Bevölkerung in Burgdorf sind gehen in ein schönes, neues und modernen Minergie-Schulhaus. Alle Leitbilder, Konzepte und ähnliches wären in Burgdorf umgesetzt. Kurz und gut, Burgdorf geht es gut weil alle „das Beste für Burgdorf“ realisiert haben.
Es tönt wie im Märchen aber wäre das nicht toll !!
Auch wenn dies alles etwas überrissen tönt, so dürfen wir nie aufhören „das Beste für Burgdorf„ zu wollen. Und es ist unsere Aufgabe als Stadtpolitiker „das Beste für Burgdorf“ zu erreichen.
Viele Aufgaben stehen in naher Zukunft an und es ist wichtig, dass wir intelligente Entscheide treffen. Wir müssen kreativ sein und mit unseren Ideen ins Kirchbühl kommen und sie allen Erzählen, immer mit dem Ziel das „Beste für Burgdorf“ zu erreichen. Wir müssen mit innerer Überzeugung und Feuer argumentieren. Dann besteht die Möglichkeit für eine gute Sache eine Mehrheit finden. Klar braucht es zur Realisierung der vielen guten Ideen auch viel Geld. Es ist oft schade, dass mit dem Argument der schlechten Finanzlage eine sich lohnende Investition abgewürgt wird. Es braucht auch den Mut im finanziellen Bereich Risiken einzugehen.
Hier einige Beispiele, was in naher Zukunft auf uns zukommt:
Sind da doch die Verkehrdiskussionen wegen der Zu- oder Wegfahrt Emmental oder der Durchfahrt durch Burgdorf. Ein momentan leer stehendes Kornhaus, dem eine sinnvolle Nutzung zugewiesen werden muss. Da wird eines unserer Wahrzeichen, das Schloss frei, was machen wir mit dem ? Burgdorf soll Arbeitsplätze schaffen und die Bevölkerung soll zunehmen. Wir brauchen neue Infrastrukturanlagen wie Schulhäuser und Sportstätten. Wir möchten eine Zentrumsfunktion übernehmen und überregionale Ausstrahlen. Und wir müssen lernen mit dem NPM umzugehen und die Werkzeuge die uns zur Verfügung stehen richtig einzusetzen.
Ich hoffe, dass wir hier im Gemeindesaal mit viel Feingefühl für die Sache und mit gegenseitigen Respekt richtig Entscheiden und damit verbunden „das Beste für Burgdorf“ erreichen.
Es ist mir klar, dass in der Politik alles sehr langsam und träge ist. Aber denkt ab und zu an das chinesische Sprichwort „Fürchte dich nicht vor dem langsamen Vorwärtsschreiten, fürchte dich nur vor dem Stehenbleiben“.
Also machen wir Vorwärts und gehen zu unseren ordentlichen Traktanden über und denkt daran, wir wollen „das Beste für Burgdorf“.
Ich danke Euch für die Aufmerksamkeit !
Burgdorf, 27. Februar 2006
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