Oberingenieurkreis IV Tiefbauamt des Kantons Bern Tiergarten 1 Postfach 3401 Burgdorf
Burgdorf, 15. Mai 2004
Gesamtverkehrsstudie Region Burgdorf/Emmental: Mitwirkung
Sehr geehrte Damen und Herren
Gerne nutzen wir als Stadt- und Amtspartei Burgdorf die Möglichkeit, uns zur Gesamtverkehrsstudie Burgdorf-Emmental zu äussern.
Die Grundhaltung, welche in dieser Studie zutage tritt, stimmt uns sehr bedenklich. Wir haben den Eindruck, dass die schon vorweggenommene und von Wirtschaftskreisen lancierte und geförderte Diskussion um die Zufahrt Emmental allzu stark auf diese Arbeit Einfluss nahm. Eine kürzlich in den Medien erschienene Äusserung der Baudirektorin des Kantons Bern, Regierungsrätin Barbara Egger, in der sie Wohlwollen gegenüber dieser Initiative der Wirtschaftslobby Emmental äussert, bestärkt uns in dieser Vermutung.
Seit Jahren lebt und entwickelt die Stadt Burgdorf alternative Verkehrsformen. Hier wurde schweizweit die erste Flanierzone erfunden und erfolgreich eingeführt, die bewachte Velostation mit ihren zahlreichen Angeboten erfreut sich grösster Beliebtheit, das Carlos-Mitnahmesystem wird entwickelt und erprobt, der Busbetrieb wird aufgrund grosser Nachfrage laufend ausgebaut, Mobility hat bereits 9 Fahrzeuge stationiert, eine neue Form von Velowegen soll geplant werden. Burgdorf hat sich in diesem Bereich als aufgeschlossene, kreative Stadt einen Namen gemacht und dient vielerorts als Vorzeigemodell.
Als Schritt in die richtige Richtung betrachten wir die geplante Sanierung der Ortsdurchfahrt Burgdorf. Die Kantonsstrasse weist viele Gefahrenstellen und Mängel in der Verkehrsführung auf, die nun behoben werden könnten. Eine Verstetigung des Verkehrsflusses bringt auch den schwächeren VerkehrsteilnehmerInnen Vorteile und hilft zudem die Durchfahrtszeit zwischen den beiden Bahnübergängen Buchmatt und Spital zu verringern. Die oft gehörte Behauptung, dass während den Verkehrsspitzen 10 oder mehr Minuten längere Zeiten hingenommen werden müssen, gehört ins Reich der Fabeln. Messungen haben ergeben, dass diese Zeitdifferenz zwischen 3 bis höchstens 5 Minuten liegt.
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Schwergewichtig wird hingegen in der vorgelegten Studie der Fokus auf den individuellen motorisierten Verkehr gerichtet. Dabei sollen die Bestrebungen heute genau in die umgekehrte Richtung gehen: durch attraktive Angebote in alternativen Verkehrsformen, durch kreative Lösungen, durch Überzeugungsarbeit sollen die AutofahrerInnen und auch die Transportunternehmen dazu gebracht werden, ihren Mobilitätsbedürfnissen anders als benzinbetrieben auf der Strasse nachzugeben. Unsere Ressourcen sind bereits bedrohlich knapp. Wir können es uns nicht leisten, noch mehr Boden durch Strassenbau zuzupflastern und die Ozonwerte der Luft in krank machende Höhen zu treiben.
In diesem Zusammenhang wehren wir uns entschieden dagegen, dass Strassenbauprojekte in einer aktuellen Gesamtverkehrsstudie mit erster Priorität belegt werden. Dies ist schlicht und ergreifend nicht zeitgemäss. Es geht nicht an, dass die knappen Finanzen einseitig zugunsten des motorisierten Individual- und Güterverkehrs verwendet werden. Für die Zufahrt Emmental werden gleich hohe Kosten eingesetzt wie für sämtliche anderen Verkehrsmassnahmen - da stimmt für uns die Optik nicht! Da hinlänglich bekannt ist, dass neue Strassen Mehrverkehr verursachen, lässt sich bereits jetzt abschätzen, dass die Knoten beim Landhaus und bei der Tschamerie wegen chronischer Verstopfung schon bald ebenfalls ausgebaut werden müssten. Der Teufelskreis beginnt sich zu drehen.
Kommt dazu, dass eine Verkehrsführung durch den geschützten Auenwald zwischen Burgdorf-Oberburg-Hasle als Geniestreich hingestellt wird, wo sie doch nur unmöglich ist und noch nicht einmal eine UVP vorgenommen wurde. Die Bevölkerung von Burgdorf bis Hasle würde es sicher nicht einfach so hinnehmen, dass ihr schönstes Naherholungsgebiet verunstaltet wird.
Wir erwarten, dass eine Überarbeitung des Projekts unter Berücksichtigung der heutigen Erkenntnisse im Bereich Agglomerationsentwicklung und Siedlungsplanung andere Schlussfolgerungen und Prioritätensetzungen ergeben werden. Diesen Prozess werden wir aufmerksam verfolgen.
Freundliche Grüsse
Grüne Freie Liste Burgdorf
Andrea Probst Regina Mumenthaler
Präsident Sekretärin
Beilage: Fragebogen Gesamtverkehrsstudie (Word-Dokument)
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